Buch-Rezension: 50 QM-Häppchen: Warum gute Qualität auch Humor braucht

Veröffentlicht am 15. Oktober 2026 um 15:10

Qualitätsmanagement kann fachlich vollkommen richtig liegen und trotzdem niemanden erreichen. Spätestens dann hilft die nächste Verfahrensanweisung allein wenig. Wie gewinnt man Aufmerksamkeit, schafft Verständnis und bringt Menschen dazu, Qualität gemeinsam zu gestalten?

Ing. Elisabeth Eglseer verbindet in „50 QM-Häppchen – Praktische Impulse für Qualitätsmanager im Lebensmittelbereich“ Fachwissen mit praktischer Erfahrung und einem erfreulich humorvollen Blick auf den Betriebsalltag. Genau diese Mischung gefällt mir an ihrem Buch-Konzept. Mit ihren Ausführungen und Augenzwinkern gibt Elisabeth Impulse den oft grauen (chaotischen) Berufsalltag etwas farbiger, strukturierter und menschlicher zu gestalten, nicht kunterbunt.

Fachlich ernst bleiben und trotzdem schmunzeln dürfen: Das macht die kurzen Beiträge zugänglich. Und manches vermeintlich kleine Häppchen beschäftigt einen vielleicht sogar länger als die letzte Besprechung.


Das Konzept, ein Buch in sechs Dimensionen und fünf Kapitel aufzuteilen, macht es auch zum Querlesen oder schnellen Nachlesen für zwischendurch im Alltag sehr hilfreich. 

Dimensionen im Alltag

  • Impuls: Gedanken zum Mitnehmen, wenn es gerade wieder mal irgendwo klemmt
  • QM-Marketing: QM intern sichtbar machen, Likes bzw. Akzeptanz »generieren«
  • Quality-Fun: Humor und Alltagschaos 
  • Ich bin QM: Elisabeths persönliche Erfahrungen aus 20 Jahren Praxis
  • Du bist QM: An dich als QM und auch andere Verantwortliche gerichtet, die QM besser verstehen lernen wollen
  • Blickschulung: Ein Bild, einen versteckten Fehler erkennen, und ganz viel Einblick in die Praxis

Menschen erreichen, statt nur Vorgaben vermitteln

Zu meinen Highlights gehört das QM-Marketing auf Seite 12: Wie gewinnt man als Qualitätsmanager überhaupt Zuhörer? Eine entscheidende Frage. Denn eine Botschaft entfaltet erst dann Wirkung, wenn ihr Gegenüber sie versteht und ihren Nutzen erkennt.

Die Ausredenklassiker auf Seite 36 sorgen für Wiedererkennung. Die Gedanken zu Menschlichkeit und Humor auf den Seiten 40 und 41 zeigen zugleich, wie wichtig die Art der Kommunikation ist, um miteinander voranzukommen. Wer sich angegriffen fühlt, verteidigt zunächst seine Position. Eine gemeinsame Lösung rückt damit selten näher.

Auch die Aufräumimpulse ab Seite 55, der Ansatz, stärker mit Bildern oder auch Flussdiagramm zu arbeiten, und die Blickschulungen überzeugen mich:

genau hinsehen, verständlich vermitteln und den Blick auf das Wesentliche lenken.


Perspektivwechsel statt Abteilungspingpong

Besonders anregend finde ich das Reverse Brainstorming zur Ursachenforschung auf Seite 98. Die umgekehrte Fragestellung eröffnet einen überraschend einfachen, strukturierten Zugang zu Problemen.

Ein eigenes Praxisbeispiel aus meiner damaligen Tätigkeit in einem Konzern, Geschäftsbereich Fruchtverarbeitung : Der Einkauf beschafft preisgünstige Erdbeeren (gerne aus China) mit schwankendem Reifegrad, Festigkeit, Wassergehalt. Die Produktion kämpft mit wechselnder Verarbeitbarkeit und Ausbeute. Das Qualitätsmanagement beanstandet Abweichungen und sperrt mehrere Chargen. Die Produktentwicklung muss adhoc aus dem Bauchgefühl heraus die Pektin-Dosis erhöhen.  Jede Abteilung hat nachvollziehbare Argumente, was wieder schief läuft (Preisdruck Rohstoffe, Viskositätsschwankungen des Produkts, sensorische Veränderungen, Kundenreklamationen) . Gemeinsam weiter kommt man damit bislang nicht.

Eine umgekehrte Frage könnte lauten: Was müssten wir tun, damit möglichst viele ungeeignete Erdbeeren spät im Prozess auffallen?

Die Antworten liefern Ansatzpunkte: Anforderungen unklar lassen, Testproduktion mit neuen Rohstoffen vermeiden, Informationen zur Charge nicht oder zu spät weitergeben, Auffälligkeiten erst nach der 4. Fehlcharge besprechen.

Daraus lassen sich konkrete Verbesserungen ableiten: gemeinsam definierte Rohstoffanforderungen, rechtzeitige Chargeninformationen und klare Verantwortlichkeiten bei Abweichungen.

Der Perspektivwechsel macht aus gegenseitigen Vorwürfen bearbeitbare Schnittstellen.


Meine Leseempfehlung

Für mich Stephan Schmitz, Autor dieser Rezension, liegt die Stärke dieses Buches in der Verbindung aus Fachlichkeit, Struktur, Humor und menschlichem Verständnis. Die kurzen Impulse lassen sich einzeln lesen und auf den eigenen Alltag beziehen.

Ich empfehle „50 QM-Häppchen“ angehenden und erfahrenen Qualitätsmanagerinnen und Qualitätsmanagern ebenso wie Verantwortlichen in der Produktionsleitung. Besonders jenen, die fachübergreifend mehr erreichen möchten und offen dafür sind, die eigene Perspektive zu hinterfragen. Impulse für Struktur und Check-Listen inklusive.

Qualität entsteht im Zusammenspiel der Menschen, die täglich daran arbeiten.

Ing. Elisabeth Eglseer, freiberufliche Auditorin, QM-Management,  macht Lust darauf, dieses Zusammenspiel in Unternehmen besser zu gestalten.

Neugierig geworden? Shop und weitere Informationen zum Buch findest du auf elisabetheglseer.at.